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Berichte · Sektion C

Podiumsgespräch C1

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände im Blick unterschiedlicher Generationen

(Bericht von Victor Tuczek)

Auf dem Podium waren:

Die Vertreter der unterschiedlichen Generationen bewerteten das Ende 2001 eröffnete Dokumentationszentrum und seine Ausstellung "Faszination und Gewalt" aus ihrer je spezifischen Sicht. Es zeigte sich, dass die erste Generation das Dokumentationszentrum als eine wichtige Einrichtung betrachtet, die wesentlich zur "Aufarbeitung" einer lange verdrängten Geschichte beiträgt. Mit Hilfe der Ausstellung ist es den Älteren offenbar möglich, Vergangenes und selbst Erlebtes an die zweite und vor allem an die dritte Generation (d. h.: an die Enkel) weiterzugeben.

Die zweite Generation - von der die Ausstellung ja konzipiert und erarbeitet wurde - wirkt dabei in gewisser Weise als Vermittler zwischen der ersten Generation und den heute Jungen. Für die Enkelgeneration ist das Dokumentationszentrum ein Hilfsmittel, um sowohl die Geschichte des Nationalsozialismus als auch die Mechanismen von "Faszination und Gewalt" während der NS-Diktatur besser zu verstehen. Die Ausstellung hilft dabei, Antworten auf die Kardinalfrage "Wie konnte das alles passieren?" zu finden. Sie regt ferner dazu an, der ersten Generation mit "mehr Verständnis" zu begegnen. Gerade diese im Erinnerungsdiskurs deutliche Tendenz zu einem sozusagen "einfühlenden Verstehen" nicht nur der Perspektive der "Opfer", sondern auch der "Täter" und "Mitläufer" wurde unterschiedlich bewertet. Einige DiskussionsteilnehmerInnen wollten darin durchaus auch einen Rückschritt sehen, zumindest insofern das Interesse an der Perspektive der "Opfer" nachlässt.

Was den Fokus der Erinnerung betrifft, wurde hier eine signifikante Verschiebung zwischen der zweiten und der dritten (oder auch "vierten") Generation offenbar. Während die zweite Generation - "Betroffenheit" einfordernd und einübend - auf die Verdrängungs-Anstrengungen der Eltern durch eine emphatische Konzentration auf die Geschichte der "Opfer" reagierte, interessieren sich die jungen und jugendlichen Menschen von heute zunehmend auch (oder sogar überwiegend) für die Geschichte der "Täter" sowie für die Maschinerie, welche "Begeisterung" für die verbrecherischen Programme des "Dritten Reichs" erzeugen konnte. Insofern eine Dokumentation der Zusammenhänge von "Faszination und Gewalt" angestrebt wird, kommt die Konzeption der Ausstellung des Dokumentationszentrums diesen neueren Aufklärungsbedürfnissen entgegen. Es herrschte allerdings keine klare Einigkeit darüber, ob die Ausstellung dieser Konzeption tatsächlich gerecht wird. Werden die Zusammenhänge zwischen der im Kontext der Thematik "Reichsparteitage der NSDAP" umfangreich dokumentierten Faszinationskraft des Regime einerseits und der daraus resultierenden und darin impliziten Gewalt andererseits in der Ausstellung klar erkennbar?

Leider hatte die Veranstaltung eine größere Resonanz bei älteren als bei jugendlichen Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Überhaupt ließ auf dem Erinnerungsparlament die Beteiligung Jugendlicher am späteren Nachmittag spürbar nach.


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