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Berichte · Sektion C

Workshop C 3

Eine andere Sicht
- Junge MigrantInnen berichten über ihre Erfahrungen mit der deutschen Erinnerung an den Nationalsozialismus

(Bericht von Tanja Birkner)

Der Titel dieser Veranstaltung ließ die Teilnehmer eigentlich etwas anderes erwarten, als tatsächlich stattfinden sollte. Denn leider stellte sich bei der Vorstellungsrunde heraus, dass nur eine der eingeladenen Migrantinnen gekommen war, um über ihre Sichtweise zum Nationalsozialismus zu berichten. Es wurde daher aus dem Publikum heraus vorgeschlagen, alle TeilnehmerInnen der Veranstaltung in eine Diskussion darüber einzubeziehen, wie Jugendliche aus Migrantenfamilien in die Erinnerung an die deutsche Vergangenheit einbezogen werden könnten. Die Moderatoren Rainer Huhle und Otto Böhm unterstützten diesen Vorschlag.

Durch die Vorstellungsrunde zu Beginn entstand eine offene Atmosphäre, die zu freier Meinungsäußerung und zum Diskutieren anregte. Die Erkenntnis, dass man trotz umfangreicher Werbung und persönlicher Einladungen nur wenige jugendliche MigrantInnen zur Teilnahme am Erinnerungsparlament motivieren konnte, drückte zunächst die Stimmung. In der Folge ging die Diskussion mehr darum, warum sich Hauptschüler scheinbar seltener für das Thema Erinnerung an den Nationalsozialismus interessieren als Jugendliche von weiterführenden Schulen. Andere Diskussionspunkte waren das Deutschlandbild im Ausland und eigene Erfahrungen mit jugendlichen MigrantInnen.

Gegen Ende der Veranstaltung fühlten sich auch die Jugendlichen motiviert, über ihre Erfahrungen zu berichten. Teilweise sachlich und teilweise dramatisiert schilderten sie, welche Schwierigkeiten sich im Umgang mit jungen MigrantInnen aus ihrer Perspektive ergeben. Nicht immer waren die Beiträge am eigentlichen Diskussionsgegenstand ausgerichtet. Stichhaltige Vorschläge zur nachhaltigen Verbesserung der Situation wurden nur wenige angeboten. Allgemein wurde gefordert, Toleranzerziehung und Vorurteilsaufklärung zu intensivieren.

Die einzige anwesende Migrantin gab ihre sehr durchdachten Ansichten zur deutschen Geschichte wieder. Es stellte sich heraus, dass sie keinerlei Integrationsprobleme gehabt hatte. Mittlerweile spricht sie perfekt Deutsch, ist interessiert an deutscher Geschichte und hat über ihre eigene Kindheit reflektiert.

Die Diskussion und der Meinungsaustausch der sehr interessierten und teilweise auch beruflich in das Thema MigrantInnen verwickelten Teilnehmer war gegen Ende noch lang nicht abgeschlossen. Dies zeigte den Bedarf eines Forums zum Thema "MigrantInnen in Deutschland", wobei dann aber unbedingt auch die Meinung der MigrantInnen selbst gefragt wäre!


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