erinnerungsparlament.de

Berichte · Sektion D

Podiumsgespräch D2

Die Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Shoah in Schule und außerschulischer Jugendbildung - SchülerInnen diskutieren mit Lehrern, Wissenschaftlern und Verantwortlichen

(Bericht: Ingmar Reither)

Auf dem Podium:

Das Interesse der dritten Generation konzentrierte sich bei der Diskussion zu diesem Thema besonders auf konkrete biografische Bereiche zu Opfern bzw. Tätern aus der NS-Zeit. Bei der Beschäftigung mit Opferbiografien sind im Schulalltag vor allem zwei Beobachtungen zu machen: Zum einen stoßen die Jugendlichen immer wieder auf unbeantworteter Fragen (gerade im Zusammenhang mit dem Holocaust). Andererseits klagen SchülerInnen - trotz großem Interesse an der Geschichte des "Dritten Reiches" - bisweilen über eine emotionale Übernachtung des Geschichtsunterrichts, die sie in der permanenten Konfrontation mit nationalsozialistischen Greueltaten sehen. Meist kommt es hierbei zu Abwehrreaktionen.

Insbesondere bei der Beschäftigung mit Täterbiografien, so die Meinung von SchülerInnenseite, entstehen in manchen Fällen zwangsläufig Schuldgefühle via (unterbewusster) Identifikation (zumeist nach dem Argumentationsmuster: "Das waren Menschen wie du und ich; es könnte theoretisch also auch ich gewesen sein, der so ein Verbrechen beging." Hier ist es wichtig den SchülerInnen deutlich zu machen, dass diese Überlegungen prinzipiell richtig sind, dass jedoch andererseits auch biografische Alternativangebote berücksichtigt werden müssen. Das Augenmerk kann sich hierbei auf biografische Beispiele aus dem Widerstand richten - ein Themenbereich, der laut SchülerInnenseite im alltäglichen Schulunterricht als vertieftes Thema in der Regel zu kurz kommt.

Was die Jugendarbeit an außerschulischen Lernorten betrifft, so ergab die Diskussion, dass beispielsweise in der Gedenkstätte Flossenbürg die Brüche und "Grautöne" in den Opfer und Täterbiografien oft Ansatzpunkte für spannende Untersuchungen sein können.


Aus einer E-Mail, die eine 16-jährigen-Teilnehmerin des Erinnerungsparlaments unmittelbar nach der Veranstaltung an die Organisatoren schickte:
D2 hat mir persönlich nichts gebracht. Da sind Anna und mir besonders die hochgestochene Redensweise von manchen aufgefallen. Das ist wahrscheinlich unter anderen auch ein Punkt, dass nur Gymnasiasten (oder fast) da waren. Wenn da jm in einem Satz etwa 5 mal das Wort "Empathie" gebraucht, obwohl wir vorher auch mit dem Wort "Emotion" ausgekommen sind, hat nicht jeder die Möglichkeit sich das vom Lateinischen abzuleiten. Dann hätte ich noch eine Frage und zwar: War das die erste Veranstaltung in dieser Form in Nürnberg, oder sogar in Deutschland? Noch mal vielen Dank für das ERINNERUNGSPARLAMENT!

.:: Weiter zu Zwischenplena ::. .:: Zur Übersicht Sektion C & D ::.