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Das Nürnberger Erinnerungsparlament 2002

Presseberichte

Wie war es damals wirklich?
Beim "Erinnerungsparlament" reden vier Generationen miteinander

(Sonntagsblitz, Nürnberg, 27.10.2002)

NÜRNBERG- Was haben die Alten schon zu sagen? Eine ganze Menge, wenn man beim "Erinnerungsparlament" genau zuhört. Das Projekt des Doku-Zentrums, das vier Generationen ins Gespräch über den Nationalsozialismus bringen soll, wird von jungen Chronisten begleitet.

Schule ist Stefanie Horn einfach nicht genug. "Man hört die Theorie, lernt die Fakten und schreibt irgendwann eine Ex", erzählt die 18-Jährige, die das Leibniz-Gymnasium in Altdorf besucht. Gedanken und Gefühle bleiben weitgehend unberührt. "Aufarbeiten find ich ganz wichtig", sagt auch Katharina Hofmeister, die in Regensburg Geschichte studiert. Aber, wirft ihre Freundin Diana Klimke ein: "Was Zeitzeugen betrifft, wird viel zu wenig gemacht."

Deshalb nutzen die beiden 21-Jährigen die Gelegenheit beim "Erinnerungsparlament" - das aus dem Innovationspreis der Region Nürnberg entstanden ist, mit dem die pädagogische Arbeit des Doku-Zentrums ausgezeichnet wurde - intensiv. Am Samstagmorgen berichtete zunächst die erste Generation: Eva Rößner, die die NS-Zeit als "Halbjüdin" glimpflich überstand und Hans Negel, der im Schubgefängnis litt; Arno Hamburger, der als Jude vor dem Nazi-Terror floh, und der Sinto Franz Rosenbach, der vier Konzentrationslager und den Todesmarsch von Neuengamme überlebte.

Lob für Ehrlichkeit

"Sehr beeindruckend", findet Britta Taft (20). Die Jura-Studentin aus Bayreuth hörte zum ersten Mal die Erzählung eines Opfers. "Natürlich habe ich mit Oma geredet. Aber die ist heute noch stolz auf Opa, der ein Flieger war." Auch die übrigen Zuhörer loben ehrliche Antworten und die emotionale Atmosphäre der Gespräche. Dass Arno Hamburger "trotz allem hier und in der Stadt aktiv ist", hat Melanie Horn besonders beeindruckt.

Als die jungen Chronisten ihre Eindrücke vor dem Plenum schildern, hakt Hermann Glaser - Nürnbergs früherer Kulturreferent - nach: "Viele damals waren jung und verführbar. Sehen Sie heute einen Unterschied?" Während Katharina heute alles für möglich hält, bleibt Britta aus Bayreuth skeptisch. "Es ist keine gute Situation, dass so viele interessenlos sind." Christoph Ulrich dagegen ist optimistisch: "Die Erfahrung ist da, heute würden wir die Notbremse ziehen."

Gabi Pfeiffer


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