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Das Nürnberger Erinnerungsparlament 2002

Presseberichte

Simonas symbolträchtige Collage mit Spiegeln und Scherben:


Der Kunst-Leistungskurs des Labenwolf-Gymnasiums zeigt Arbeiten zur Geschichte im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

(Nürnberger Zeitung, 13.01.03)

Das "Nürnberger Erinnerungsparlament" vom Oktober 2002 wirkt nach. Damals wurden die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler des Kunst-Leistungskurses am Labenwolf-Gymnasium nur zwei Tage lang gezeigt. Jetzt hat deren künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Reichsparteitagsgelände unter dem Titel "Kunst erinnert" für einen Monat, bis 9. Februar, in der kleinen Säulenhalle im Nürnberger Dokumentationszentrum, Bayernstraße 110, ein Forum erhalten und wird damit einem breiten Publikum zugänglich.

Die Idee ihres Kunsterziehers Ulrich Ehrl, sich schon ein Jahr bevor das Thema im Kunstunterricht auf dem Lehrplan steht, mit der braunen Vergangenheit in einem Projekt zu beschäftigen, stieß keineswegs bei allen Kursteilnehmern auf Gegenliebe. "Ausgenudelt", weil zum X-ten Male behandelt, befand auch Simona Muth. Das hat sich geändert. Jetzt ist sie, gemeinsam mit Mara Diener, mit einer interessanten kubistischen Collage-Serie bei der Ausstellung vertreten. Leicht verschwommene zueinander versetzt angebrachte Fotos beleuchten splitterhaft die ganz persönliche Geschichte von Simona Muths Großmutter, deren damals 18-jähriger Bruder im 2. Weltkrieg fiel und dessen Verlust sie bis heute schmerzt. "Oma, Uhr und Ahnenbuch" reflektiert wie auch die meisten der anderen Exponate Erinnerung und Gegenwart.

Die letzte Fotografie der Dreierreihe in der Collage/Assemblage von Luisa Schmaus zeigt den Schattenriss einer Frau, die sich den Bildelementen, zusammengesetzt aus typischen Motiven des Dritten Reiches, zuwendet. Der lange Prozess, dessen es bedurfte, um sich mit der verdrängten Geschichte einzulassen, ist symbolisiert durch die beiden anderen Modelle der Trilogie. Die Arbeit mit Spiegeln lässt das Publikum an die "Reichskristallnacht", denken, nicht so die 18-jährige Künstlerin. Ihre Botschaft: "Selbst aus den Scherbenhaufen der Diktatur können Säulen aus den Trümmern aufgebaut werden".

Den einzigen Farbtupfer gibt eine Cola-Flasche ab in der Computermontage "Plastik" von Nathalie Schneider, an der Janina Lutz und Doro Winkler mitgewirkt haben. Sie steht für die heutige schnelllebige pfandflaschenversessene Gesellschaft. Wie durch ein Fenster sieht der Betrachter wie Gegenwart und Vergangenheit ineinander übergreifen. Melanie Wagner hat der "Röhnradgeschichte" nachgespürt und musste feststellen, dass die Sportart, die sie selbst so erfolgreich betreibt, der NS-Sport schlechthin war und damals Olympische Disziplin.

Quelle für die künstlerischen Arbeiten der am Projekt beteiligten 15 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der 12. Jahrgangsstufe waren das Doku-Zentrum, die Ausstellung Faszination und Gewalt, Bilder des "Führerfotografen" Hofmann und die eigene Familiengeschichte. Seit Beginn des Schuljahres 2002/2003 bearbeiteten die Teams in freier Assoziation das Kunstprojekt. Gestern Nachmittag suchten die Jugendlichen den Dialog mit den Ausstellungsbesuchern; außerdem ergänzt eine kleine Dokumentation den künstlerischen Eindruck.

Uschi Aßfalg


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