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Berichte · Sektion A

Workshop A 1

"Die Zeit der großen Sprücheklopfer"
- Hans Negel (* 1927) über seine Kindheit und Jugend im Nürnberg des "Dritten Reichs"

(Bericht von Yvonne Steif)

"Eins, zwei, drei, vier - Adolf Hitler wählen wir!" Mit Hilfe eines Kinderreims beschreibt Hans Negel seine erste Begegnung mit dem Phänomen Hitler im Jahr 1933. Die bildliche Rückschau auf eine ärmliche, aber dennoch glückliche Kindheit macht es den jugendlichen TeilnehmerInnen des Workshops möglich, eine zunächst unbekümmerte, kindliche Begeisterung für das "Tausendjährige Reich" nachzuempfinden, auf die der Zeitzeuge nach eingehender Auseinandersetzung mit dem Thema mittlerweile überaus reflektiert zurückblicken kann.

Als "Zeit der großen Sprücheklopfer" beschreibt Hans Negel die Jahre 1933 bis 1945 und bezieht sich damit auf den religiös anmutenden Pathos, der ebenso wie die Elemente "Spiel, Sport und Kameradschaft" beispielsweise die nationalsozialistische Institution des Jungvolks prägte. Dort erfuhr er, der dem Jungvolk wie üblich im Alter von zehn Jahren beitrat, persönlich, dass es die Kombination dieser Dinge nahezu unmöglich machte, von Hitler nicht begeistert zu sein. Lieder hätten sie dort gesungen und Spiele gespielt und somit über das Gefühl Zugang zu der Weltanschauung der Nationalsozialisten gefunden. Aus seiner Schulzeit ist ihm der weltpolitische Unterricht einschließlich der Rassenkunde in Erinnerung geblieben. Während der entsprechenden Stunden, so berichtet er, seien auch die Gesichter der Kinder ausgemessen worden, wobei er selbst der "nordischen Rasse" zugeordnet wurde. Die jungen Leute aber fühlten sich, wie Herr Negel im Verlauf der Veranstaltung immer wieder betont, weniger durch die Ideologie selbst als vielmehr durch die damit verbundenen Emotionen angesprochen. Ganz deutlich sei diese emotionalpathetische Seite des Nationalsozialismus in den Gedichten Emil Bauers zum Ausdruck gekommen, die Gott, Volk und Vaterland als höchste Wertmaßstäbe priesen.

"Alltäglicher" Antisemitismus

Den 10. August 1938 beschreibt Hans Negel als eine Zäsur in seinem Leben. "Der deutsche Mann" habe gejubelt, als Julius Streicher an diesem Tag auf dem Hans-Sachs-Platz den Abbruch der Synagoge eröffnete. Dieses Schlüsselerlebnis bewegt den Zeitzeugen dazu, über den alltäglichen Antisemitismus während des "Tausendjährigen Reichs" nachzudenken. Er erinnert an die Sprüche, die sie als Kinder riefen: "Jude, Jude hepp, hepp, hepp" etwa schrien sie auf der Gasse und den Namen des damaligen Kaufhauses "Schocken" lasen sie rückwärts als "Nekosch". Die Reichspogromnacht schließlich habe ihn, der seine Zehn Gebote geglaubt hätte, schwer schockiert. Er sei "konsterniert" gewesen, jedoch, wie er zugibt, erst später. Zunächst "war man ja erst mal ein junger Bursch". Zwar habe er die Schilder "Kauft nicht bei Juden" gesehen, er habe um den Boykott der Judengeschäfte gewusst, und er habe es zur Kenntnis genommen, als der Jude der Hochschulbuchhandlung verschwunden blieb. Trotz der demolierten Fenster und Türen aber seien der 9. und 10. November 1938 Tage wie alle anderen gewesen.

"Aber wenn Sie sich in ein jüdisches Mädchen verliebt hätten?" hackt ein Teilnehmer nach, der sich nur schwer vorstellen kann, dass keinerlei Auseinandersetzung über die Nürnberger Gesetze aus dem Jahr 1935 und die darin enthaltenen Regelungen zur so genannten "Rassenschande" erfolgte. Die jüdisch gläubigen Mädchen, die seit 1941 den Judenstern tragen mussten, erklärt Hans Negel, hätten sich ja nicht mehr auf die Straße getraut. Abends durften sie das Haus nicht mehr verlassen, was jede Bekanntschaft unmöglich machte. Auf die Frage: "Wenn die Juden nicht mehr da waren, wussten Sie da im Hinterkopf, dass sie tot waren?" meint er, mit so viel Unmenschlichkeit habe man nicht gerechnet. Es sei aber generell nicht viel nachgefragt worden. Das Wort "Dachau" z. B. habe jeder gekannt, nur was dort passierte, blieb unbekannt. Insider seien eventuell über die dortigen Vorgänge informiert gewesen, nicht jedoch der "Mann auf der Straße".

"Wir haben nichts gehört von den Eltern oder Priestern"

Die "Unfähigkeit der moralischen Wahrnehmung", welche die Zeitgenossen an den Tag gelegt hätten, ist es, was in diesem Zusammenhang den Workshopteilnehmer Professor Hermann Glaser beunruhigt. Obwohl man die Zustände in den Konzentrationslagern im Einzelnen nicht kannte, sei doch immerhin die Verachtung aller Moral und Menschlichkeit offensichtlich zu Tage getreten. Er verweist hierzu auf das Kinderbuch Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jude bei seinem Eid! (1936) von Elvira Bauer und auf das Jugendbuch Der Giftpilz (1938) von Ernst Hiemer, die beide im Stürmer-Verlag erschienen und die der örtliche Stadtschulrat gezielt an den Nürnberger Volksschulen verbreitete."Es soll uns aber keiner vorwerfen, dass wir nichts wussten." erwidert hierauf der Zeitzeuge, der hinzufügt: "Nur wenn die Leute es dann später abstreiten, das kann man ihnen vorwerfen."

Herr Negel selbst fühlt sich mit Blick auf die Ereignisse des Jahres 1938 vor allem von den damaligen moralischen Instanzen, von Eltern, Priestern und Lehrern im Stich gelassen. Er berichtet davon, wie sein Vater im Anschluss an die Vorkommnisse aus der Partei austreten wollte, seine Mutter sich jedoch dagegen aussprach. Seine Gefühle fasst er in dem Satz zusammen: "Wir haben nichts gehört von den Eltern oder Priestern. Wir haben ja geschaut." Auf die Frage nach der Rolle der Kirche während des Nationalsozialismus antwortet Hans Negel dann auch, diese habe in keinem Widerspruch zum "Tausendjährigen Reich" gestanden. Persönlichkeiten wie der Theologe Dietrich Bonnhoeffer, der als Vertreter der Bekennenden Kirche eine wichtige Person des politischen Widerstands verkörperte, stellten seiner Meinung nach eine Minderheit dar. Aus seiner persönlichen Erfahrung berichtet Hans Negel, wie die Gläubigen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs während des Gottesdiensts je ein Ave Maria und ein Pater Noster für Führer und Vaterland beteten. Dass es der Kirche durchaus möglich war, ihre Interessen auch gegen den Staat durchzusetzen, beweise der Kruzifixstreit im März 1941. Kultusminister Adolf Wagner ließ damals die Kruzifixe aus den Klassenzimmern entfernen, woraufhin die Eltern ihren Kindern den Schulbesuch untersagten, bis der Erlass letztlich zurückgenommen wurde. Einen grundsätzlichen Kampf der Institution Kirche gegen das Regime aber habe er "nie und nimmer" feststellen können.

Widerstreben gegen das Pathos

Die "Leidenszeit" Hans Negels, seine "triste Jugend", begann im Jahr 1942, als er vom Jungvolk in die Hitlerjugend wechselte. In einem fast religiösen Eid habe er geschworen, seine "Pflicht zu tun". Dieses Pathos habe ihn allerdings nicht länger angesprochen. Deshalb löste er zunächst den Bezugsschein für Hemd, Hose, Strümpfe und Schuhe ein, den er aufgrund seiner Übernahme in die Hitlerjugend erhalten hatte, hielt sich jedoch anschließend von der Jugendorganisation fern. Sein Widerstreben beschreibt er als die grundsätzlich unpolitische Haltung eines Jugendlichen, der über seine knapp bemessene Freizeit selbst bestimmen wollte. Hans Negel, der zu diesem Zeitpunkt lange Haare trug, wie dies nur "Mädchen oder Unangepasste" getan hätten, entschuldigte seine Abwesenheit von der Hitlerjugend folglich mit dem Hinweis auf seine 52-Stundenwoche. Dies brachte ihn jedoch in Konflikt mit dem Vertreter der Deutschen Arbeitsfront in seinem Betrieb. Dieser warf ihm vor, der faulste und frechste im Betrieb zu sein und ohrfeigte ihn im Beisein seiner Mutter. Die drei Wochenenden Jugendarrest, die er als Strafe erhielt, leistete Hans zwischen seinen langen Arbeitswochen ab.

Überschattet wurden diese Ereignisse von der Einberufung des Vaters im Herbst des Jahres, der deshalb "ganz traurig" gewesen sei. Der Vater erklärte seinem Sohn bei dieser Gelegenheit, dass es seiner Meinung nach völlig gleichgültig sei, ob er oder sein Gegner zuerst schieße. Als der Vater noch im selben Jahr fiel, verspürte der Sohn erstmals das Bedürfnis, Hitlers Mein Kampf zu lesen. Den Inhalt des Werks, den er "abartig" nennt, habe er rasch wieder vergessen. Im Gedächtnis blieb ihm allein der Umstand, dass Hitler den Katholizismus und das Zölibat lobe. Dies fand er bereits damals komisch, da Hitler doch zugleich die Familie hochhielt. Gelesen hätten das Buch nicht viele, nicht einmal sein Vater.

Im Schubgefängnis

Im Folgenden überschlugen sich die Ereignisse im Leben Hans Negels. Noch im selben Jahr begannen die Luftangriffe auf die Stadt Nürnberg, die es dem "Krischperle" Hans nicht erlaubten, zur Musterung zu erscheinen. Durch einen Zufall fielen ihm darüber hinaus amerikanische Flugblätter in die Hände, die dann bei ihm gefunden wurden. So lernte der damals Sechzehnjährige durch bittere Erfahrung einen bis heute nicht aufgearbeiteten Teil der Nürnberger Geschichte kennen. Denn weil "sie" offenbar nicht wussten, was sie mit ihm machen sollten, wurde Hans Negel in das Benno Martin und dem Sicherheitsdienst der SS (SD) unterstehende Nürnberger Schubgefängnis eingewiesen. Dieses befand sich in einer Turnhalle, die an die Justizvollzugsanstalt hinter dem Oberlandesgericht angrenzte. In dieser Turnhalle wurden im Jahr 1946 nach dem Nürnberger Prozess die Hauptkriegsverbrecher hingerichtet. 200 bis 300 Personen hielten sich laut Herrn Negel in dieser Halle auf, wobei die Matratzen tagsüber am Rand des Raums aufgestellt wurden, während man sie nachts auf den Boden legte.

Hans Negel teilte sich eine Matratze mit dem etwa gleichaltrigen Hans Schwarz, den er selbst als "Halbjuden" bezeichnet. "Ich bin doch kein Jude." habe Hans Schwarz immer gesagt. Als Halbjude musste er ja auch keinen Stern tragen, ergänzt Hans Negel sechzig Jahre nach diesem Erlebnis. In der Mitte der Halle befanden sich fünf Toilettenkübel, in welche die Häftlinge vor den Augen und Ohren aller ihre Notdurft verrichten mussten. Um diese Kübel herum spazierten die zur Untätigkeit verbannten Gefangenen tagein tagaus im Kreis. An einem Ende des Raums habe sich eine Gruppe aufgehalten, die zum Schutt- und Minenräumen eingesetzt wurde. Diese Personen seien länger im Schubgefängnis geblieben als die Mehrheit der Häftlinge, die auf dem Weg von einem Konzentrationslager zum nächsten lediglich für ein bis zwei Tage dort eingewiesen wurden.

In der Turnhalle hörte Hans Negel nun erstmals die Namen Buchenwald, Mauthausen, und Flossenbürg, die für ihn zu diesem Zeitpunkt noch Fremdwörter gewesen seien. Erst später habe er erfahren, dass es sich hierbei um Konzentrationslager handelte. Er selbst habe hier die Dreiecke und Farbsymbole kennen gelernt, mit denen die KZ-Häftlinge gekennzeichnet wurden. Die Deportation von Juden habe er nicht miterlebt, weil sich in diesem Raum keine Juden aufhielten. Die Gefangenen schienen sich während der Zeit, die sie in der Turnhalle verbrachten, wohl zu fühlen. Deshalb geht Herr Negel heute davon aus, dass dieser Ort für sie eine Erholung gewesen sein muss. Während ihres Zwischenstopps in Nürnberg tauschten die Insassen des Schubgefängnisses außerdem Ratschläge und Geheimtipps aus, auf wen oder was in den einzelnen Konzentrationslagern zu achten sei. "Mir gegenüber waren sie vorsichtig." antwortete Herr Negel auf die Frage, ob denn keine Gerüchte im Umlauf waren, was in den Lagern tatsächlich vor sich ging.

"Jungens, die Zeit ist gekommen, euer Einsatz ist gefragt!"

Vier Wochen nach seiner Einweisung in das Schubgefängnis wurde er schließlich unter der Auflage entlassen, nichts von den Vorgängen in der Turnhalle nach außen zu tragen. Die Matratzen und Kübel habe man unmittelbar vor der Ankunft der Amerikaner entfernt, um, wie er meint, den Eindruck einer gerechten Justiz zu erwecken. Ob er sich mit Hans Schwarz angefreundet habe, interessiert besonders die jugendlichen Teilnehmer. Nach dem Krieg, so die Antwort, habe er erfolglos versucht, seinen Leidensgenossen ausfindig zu machen. Besonders wichtig erschien ihm dieser Kontakt, da er feststellen musste, dass die Öffentlichkeit die Existenz des Schubgefängnisses, das niemals aktenkundig war, bestritt.

1943, nach seiner Entlassung aus der Haft, erkrankte das "Krischperle" Hans schließlich an Lungentuberkulose. Nun sei er in den Genuss der Fürsorge gekommen, die dem "deutschen Mann" damals zustand. Herr Negel weist bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass die nationalsozialistische Volkswohlfahrt wesentlich dazu beigetragen habe, dass sich gerade die "underdogs" für die Partei begeisterten. Sein Vater beispielsweise habe noch zu Zeiten der Weimarer Republik als Arbeitsloser Schulden in der Fürsorge hinterlassen, die ihm die NS-Volkswohlfahrt schließlich erließ. Die Einführung der 48-Stundenwoche (erst während des Kriegs wurde die Wochenarbeitszeit auf zweiundfünfzig Stunden erhöht), das Nachtarbeitsverbot für Frauen sowie die Erklärung des 1. Mai zum Feiertag habe die Bevölkerung "begeistert".

Als der nur bedingt kriegsverwendungsfähige Hans Negel 1945 aus dem Lungensanatorium Johannisheim entlassen wurde, kam er - weil sein Vater gefallen und seine Mutter nach einer Verschüttung erkrankt waren - in einem Lehrlingsheim unter. Dort erlebte er das Ende des Kriegs und des Dritten Reichs. "Jungens, die Zeit ist gekommen, euer Einsatz ist gefragt!" - mit diesen Worten forderte der Heimleiter die jungen Männer am 16.4.1945 auf, ihr Leben für das Vaterland einzusetzen. Einigen seiner Mitbewohner seien vor Rührung die Tränen in den Augen gestanden. Er allein habe angezweifelt, dass der Heimleiter tatsächlich auch selbst an die Front ging, wie er es gegenüber den Lehrlingen vorgab zu tun. Immerhin seien die Amerikaner schon fast vor der Tür gestanden. Dass der Krieg verloren war, so erläutert er auf eine Nachfrage hin, hätte man mit Hilfe einer Landkarte unschwer erkennen können. Den Umsturzplan der Männer des 20. Juli 1944 wertet er als ein weiteres Indiz für die Ausweglosigkeit, in der sich die deutsche Wehrmacht befand. Die "Jungens" aber hätten ebenso wie die Masse der Bevölkerung bis zum Schluss an die Existenz einer Wunderwaffe geglaubt, die den Endsieg zwangsläufig herbeiführen werde.

Zwei Tage nach dem Appell ihres Heimleiters, am 18.4.1945, marschierten die Lehrlinge schließlich in Richtung Schweinauer Hauptkaserne. Hans Negel nutzte einen Fliegerangriff, um sich abzusetzen und wieder in das Lehrlingsheim zurückzukehren. Gegenüber dem Hausmeister, der sich den Heimbewohnern in der Regel in seiner SA-Uniform präsentierte, rechtfertigte er sein Erscheinen damit, er sei beauftragt, den kommenden Feind zu melden. Spitzbübisch erzählt Herr Negel noch heute, wie es ihm gelang, das Einzelzimmer des Heimleiters für sich in Anspruch zu nehmen und wie er dort im Glauben, dass nun alles vorbei sei, seine Uniform ablegte. Als dann die Amerikaner kamen, erhielt auch er, wie er ironisch hinzufügt, die "obligatorischen Geschenke": Kaugummi und Schokolade. Sein Einzelzimmer durfte er selbst dann behalten, als sich die amerikanischen Soldaten in dem Lehrlingsheim einquartierten.

Ein Nazi zu sein, ist nicht schwer - keiner zu sein schon

Vom schönsten Tag seines Lebens spricht Hans Negel mit Blick auf den 20. April 1945, lässt seinen Bericht aber mit einem schweren Rückschlag beginnen. Das freundschaftliche Verhältnis zu den fremden Soldaten verkehrte sich nämlich rasch in ihr Gegenteil, als diesen die abgelegte Uniform Hans Negels vom Hausmeister ausgehändigt wurde - mit der Lüge, der junge Mann sei ein "Wehrwolf". Italiener und Polen, denen Hans Negel in seiner Funktion als Luftschutzhelfer während der Bombenangriffe die Zuflucht im öffentlichen Luftschutzkeller im Kernschulhaus neben dem Lehrlingsheim ermöglichte hatte, retteten ihn aus dieser Situation. Sie sprachen bei den amerikanischen Behörden vor und berichteten davon, dass er sie, die als Ausländer keinen Zutritt zu den Schutzräumen hatten, in einen nicht präparierten Teil des Kellers eingelassen hatte. Sichtlich gerührt zitiert er, der sich aufgrund des unmenschlichen Systems zu dieser Handlung veranlasst sah, die Worte des Amerikaners, der ihm im Anschluss an diese Enthüllung die Hand reichte: "Weißt du Hans, ein Nazi zu sein, ist nicht schwer. Keiner zu sein schon."

Ob er während des Nationalsozialismus jemanden gekannt hätte, der seine Einstellung teilte, interessiert die Besucher am Schluss der Veranstaltung. "Nein, nein, nein". antwortet Herr Negel daraufhin energisch. Es sei lebensgefährlich gewesen, sich jemandem anzuvertrauen. "Und was haben sie gefühlt, als sie später mitbekommen haben, was da passiert ist?" Traurig und wütend zugleich sei er gewesen. Deshalb habe er sich nach dem Krieg den Gruppen angeschlossen, die am meisten leiden mussten. "Jude konnte ich ja keiner werden." Aber die Sozialdemokraten und die Gewerkschaften konnte er aktiv unterstützen. Er identifiziere sich seither mit allem, das mit "Anti-Krieg" und Menschlichkeit in Verbindung stehe. An die Jugendlichen gewandt, die von ihm wissen wollen, wie er über aktuelle rechtsextreme Bewegungen denkt, erklärt er: "Wir sind nicht alle Demokraten.", weshalb immer noch ähnlich "weiche Gedanken" (etwa Heimat, Mutter Erde, Vaterland) wie im "Tausendjährigen Reich" verbreitet würden. Er appelliert an die Vorbildfunktion von Eltern, Priestern und Erwachsenen generell und mahnt die Workshopteilnehmer abschließend mit den Worten "Wir alle sind verführbar." zur Vorsicht.


Der Kontakt mit Herrn Negel war im Vorfeld des Erinnerungsparlaments entstanden und ist seither nicht abgerissen. Regelmäßig findet sich Herr Negel bereit, als Zeitzeuge und Gesprächspartner an Seminaren mit Jugendlichen teilzunehmen.


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