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Berichte · Sektion A

Workshop A 2

Von der Verantwortung der dritten und vierten Generation
- Arno Hamburger (* 1923), Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg

(Bericht von Victor Tuczek)

Die von 25 jugendlichen TeilnehmerInnen besuchte zweistündige Veranstaltung gliederte sich in zwei Teile. Zu Beginn erzählte Arno Hamburger über sein bewegtes Leben und die Erfahrungen, die er als jüdischer Deutscher im so genannten "Dritten Reich" machen musste. Neben der Misshandlung seines Onkels durch Nationalsozialisten berichtete der Zeitzeuge vor allem von dem zunehmenden Gefühl der Isolierung, das seine Kindheit und Jugend bestimmte. 1939 flüchtete der Sechzehnjährige schließlich nach Palästina - allein. Ab 1941 diente er in der britischen Armee. Einen breiten Raum in den Schilderungen Arno Hamburgers nahmen seine Rückkehr nach Nürnberg im Jahr 1946 und seine Eindrücke von der deutschen Gesellschaft unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus ein. Die präzise Berichterstattung und die persönliche Erzählweise Hamburgers bewegten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops spürbar.

Im zweiten Teil der Veranstaltung bat der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde die Jugendlichen, "ganz ohne Tabus" Fragen zu stellen. Von diesem Angebot wurde ausgiebig Gebrauch gemacht. "Einen echten Zeitzeugen zu befragen, macht Geschichte lebendig", berichtete ein Schüler nach dem "Interview". Die Jugendlichen zeigten sich vor allem am persönlichen Schicksal ihres Gesprächspartners interessiert. So wurde unter anderem gefragt, wie er sich 1946 fühlte, als er wieder nach Nürnberg kam. Ob er Wut oder Verbitterung verspürte? Wie er mit den Menschen in Nürnberg klarkam? Ob er Bekannte wiedertraf? Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler wollten aber auch wissen, wie sich das jüdische Leben im Deutschland von heute aus der Perspektive eines engagierten Juden darstelle.

Arno Hamburger war offenbar vor allem eine Botschaft sehr wichtig: So etwas darf nie wieder passieren! Daher müsse man gerade auch heute engagiert gegen jede Art von Menschenverachtung, Ausgrenzung und Intoleranz kämpfen. Er betonte, dass die dritte und vierte Generation in diesem Sinne eine große Verantwortung tragen.

Leider konnte sich trotz des großen Interesses der Anwesenden kein richtiger Dialog entwickeln. Es handelte sich eher um einen Vortrag mit anschließender Fragerunde. Vielleicht hätte mehr Flexibilität in der Gesprächsführung für einen besseren Austausch zwischen den Jugendlichen und dem Zeitzeugen gesorgt. Zusammenfassend kann die Veranstaltung dennoch als Erfolg bezeichnet werden, weil die Vertreter der dritten und vierten Generation Einblick in das Leben eines Zeitzeugen erhielten und diesen nach seinem Erleben befragen konnten.


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