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Forum · Erinnerungspositionen

Positionen, Perspektiven, Analysen zur Erinnerung in Deutschland

Hans Negel (*1927) .::Zur Übersicht::.

Negel, Hans   Negel, Hans
1937   2002

Welche Bedeutung hat die NS-Vergangenheit für Ihr Denken und Leben?
Die NS-Zeit prägte mein Leben. Die Vergangenheit ist für mich die Gegenwart der Zukunft.

Wo sind die Auswirkungen von NS und Holocaust auch gegenwärtig noch spürbar? Oder ist alles nur Geschichte?
Die NS-Zeit und der Holocaust haben wenig Wirkung auf die Gegenwart hinterlassen. Es ist einfach nur Geschichte gewesen.

Wie erleben und beurteilen Sie den Umgang mit der NS-Vergangenheit in der deutschen Öffentlichkeit? Läuft hier etwas falsch?
Hinweise auf die NS-Zeit werden unwillig hingenommen. Falsch wäre, es nicht wahrhaben zu wollen.

Gibt es in Deutschland Platz für die Erinnerungen der Opfer? Stimmt es inzwischen, dass man "über die schrecklichen Dinge bis in die Schuld- und Mit-schuldfrage endlich miteinander sprechen" kann, wie das Eugen Kogon schon 1979 hoffte?
Es ist keine Neigung vorhanden, sich an die NS-Opfer zu erinnern. E. Kogon hoffte vergebens. Es wird nach wie vor miteinander geschwiegen.

Wie sollten wir in Zukunft mit der Vergangenheit umgehen? Welche Konsequenzen sollten wir ziehen? Was bringen Denkmäler, Gedenkstätten oder Dokumentationszentren?
Denkmäler und Gedenkstätten bringen nichts. Sie regen höchstens zum Selbstmitleiden an und würden von den Neuen Kameraden nur besudelt werden. Doku-Zentren sind ein guter Weg. Es besteht hier aber die Gefahr, dass durch Effekthascherei und Kunstgriffe die Besucherzahlen gesteigert werden und die Geschichte überlistet wird.

Welche (öffentliche) Rolle kommt Jugendlichen bei der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und den in seinem Zeichen begangenen Verbrechen zu? Werden sie diese Rolle ausfüllen können? Nehmen die Jugendlichen von heute "die Geschichte ihrer Vorfahren in die Hand", wie das manchmal gefordert wird? Sollen oder wollen sie das überhaupt?
Nur mit der Jugend könnte die Vergangenheit geklärt werden. Die Jugend gibt Anlass zum Hoffen. Sie ist nicht voreingenommen und für alle Fragen offen. Sie sollte die Geschichte ihrer Vorfahren in die Hand nehmen.

Hans Negel beteiligte sich als Zeitzeuge am Nürnberger Erinnerungsparlament 2002.
Hier geht es zum Bericht über den betreffenden Workshop.

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