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Forum · Erinnerungspositionen

Positionen, Perspektiven, Analysen zur Erinnerung in Deutschland

Britta Traft (Studentin) .::Zur Übersicht::.

Ich habe letzten Sommer am Erinnerungsparlament teilgenommen und danach noch oft über die dort gesagten Dinge nachgedacht und diskutiert. Erst gestern nahmen meine Eltern an der Besichtigung des Schwurgerichtsaales teil. Danach diskutierten wir erneut über verschiedene Aspekte des Dritten Reiches, von denen meiner Meinung nach über zwei während des Erinnerungsparlamentes zum besseren Verständnis hätte gesprochen werden können.

Zum einen sind das die rechtlichen Hintergründe. Natürlich interessiere ich mich besonders dafür, weil ich Jura studiere. Allerdings kam es mir bei einigen Workshops so vor, als ob zu diesem Thema viele Jugendliche wenig bis fast gar nichts wussten. Die am häufigsten gestellten Fragen - nämlich "Wie konnte das passieren?" und "Könnte das wieder passieren?" - müssen meiner Meinung nach definitiv auch unter Berücksichtigung der Weimarer Reichsverfassung beantwortet werden, die Hitlers Machtergreifung erst möglich machte.

Zum anderen interessiert mich nach wie vor brennend der psychologische Hintergrund. Wie war es möglich, dass sämtliche Lageraufseher, GeStaPo-Leute usw. zu solchen "Bestien" wurden? Wieso wurden in so großem Stil von so vielen Leuten Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die abnorm sind? Beispielsweise habe ich in Protokollen gelesen, dass Säuglinge den Müttern aus den Armen gerissen wurden, um sie wie "Tontauben" abzuschießen. Anderswo stand, das es teilweise in den Lagern so etwas wie Bordelle gab, in denen gefangene Frauen und auch Kleinkinder missbraucht wurden.

Natürlich gab und gibt es immer Pädophile und Menschen ohne Tötungshemmung; aber waren diese Leute in den 30er/ 40er Jahren alle zufälligerweise in den Lagern versammelt? Es ist für mich schwer vorstellbar, warum sie diese Dinge taten, die über ihren Befehl hinausgingen bzw. auf andere Art und Weise hätten ausgeführt werden können (selbstverständlich ohne diese Art und Weise gutzuheißen!). Auch das Verhalten mancher Kommandanten(?)-Frauen, die sich aus der Haut von Tätowierten Lampenschirme basteln ließen, ist für mich nicht verständlich, weil hier sämtlicher Respekt vor dem menschlichen Leben (und Ekel) nicht vorhanden sind.

Ob damals entsprechend veranlagte Menschen sich "ausgelebt" haben, oder ob Menschen in Ausnahmesituationen auch längerfristig Dinge tun, die sie sonst vielleicht nie getan hätten, wäre als weiterer Aspekt sehr interessant gewesen.

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